Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Britt & Bert » 19. Februar 2013, 16:40

Hallo,
unsere Rieke ist, wie schon in der Vorstellungsrunde berichtet, seit Anfang November bei uns.
Sie hat inzwischen gut gelernt allein zu bleiben (versucht keine Türen mehr zu öffnen), läuft brav an der Schleppleine und inzwischen auch gut an der kurzen. Die Grundkommandos (sitz, platz, bleib usw) führt sie bereitwillig und gern aus. Quirlig ist sie nach wie vor und ihren Bewegungsdrang kann sie neben dem Fahrrad ausleben, dass macht ihr richtig viel Spass!
Wenn sie im Auto sitzt und es nähert sich Mensch oder Tier, kann sie aber zum "wilden Tier" werden. Auch wenn sie nur in der Nähe unseres Autos ist und inzwischen auch vor unserer Haustür, rastet sie total aus, wenn Fremde vorbei laufen. Sie ist dann 0 ansprechbar und reagiert auf gar nichts mehr :(( In der letzten Zeit ist mir auch aufgefallen, dass sie beim vorbei gehen von anderen Hunden an der kurzen Leine (heißt, sie darf nicht hin) auch dieses Verhalten zeigt. Es hilft nur, wenn wir einen riesen Bogen um den anderen Hund machen, dann schaut sie nur und ist noch ansprechbar, hört auch auf Kommandos.
Wir gehen zwar auch mit ihr zur Hundeschule, bisher 2x Einzeltraining in d Gruppentraining ist demnächst auch geplant. Aber wie verhalte ich mich in der Zwischenzeit wenn sie sich so benimmt? Ich hab dann wirklich Mühe, sie noch zu halten da sie sich immer wieder in die Leine schmeißt... Leider gab es vor ein paar Tagen auch schon den ersten ernsthaften Zwischenfall: Sie lag bei geöffneter Kofferraumklappe im Auto, nachdem sie Bekannte von uns begrüßt hatte. Als wir uns von denen verabschieden wollten und Bert dem Mann die Hand gab, sprang Rieke katapultartig aus dem Auto und biss unserem Bekannten in den Arm! Spätestens jetzt wissen wir, dass sie nicht nur so tut und sind natürlich noch mehr auf der Hut! Dem Bekannten geht es wieder gut und er ist Gott sei Dank auch nicht bös auf uns. Aber zu einem entspannterem Umgehen mit Rieke gerade in solchen Situationen, trägt der Gedanke an diesen Vorfall nicht bei.
Vielleicht hat jemand hier einen guten Tip oder Ratschlag, wie wir im Moment mit der Situation umgehen können.
Danke und viele Grüße Britt
Britt & Bert
 
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Re: Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Michael Susan » 19. Februar 2013, 19:17

Hallo Britt,

zur Ablenkung und um wieder seine Aufmerksamkeit und Ansprechbarkeit zu erreichen, probier doch mal eine Futtertube mit Leberwurst aus, oder alternativ eine Wasserpistole oder Spritzflasche
(Tier) liebe Grüße sendet,

Michael Team


Der Hund ist der beste Freund des Menschen, aber nicht jeder Mensch ist der beste Freund des Hundes.
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Re: Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Schnauzhäuser » 19. Februar 2013, 21:10

Britt & Bert hat geschrieben:
Wenn sie im Auto sitzt und es nähert sich Mensch oder Tier, kann sie aber zum "wilden Tier" werden.
Auch wenn sie nur in der Nähe unseres Autos ist und inzwischen auch vor unserer Haustür, rastet sie total aus, wenn Fremde vorbei laufen. Sie ist dann 0 ansprechbar und reagiert auf gar nichts mehr

Ich hab dann wirklich Mühe, sie noch zu halten da sie sich immer wieder in die Leine schmeißt...

Sie lag bei geöffneter Kofferraumklappe im Auto, nachdem sie Bekannte von uns begrüßt hatte. Als wir uns von denen verabschieden wollten und Bert dem Mann die Hand gab, sprang Rieke katapultartig aus dem Auto und biss unserem Bekannten in den Arm!


Hallo Britt & Bert,
Ihr habt eine wirklich typische Schnäuzerin im Haus. Alle Reaktionen sind in dieser Form bei Schnauzern genetisch über lange Jahre der Rassezucht so angelegt worden - bevorzugt bei Hunden aus "sportlichen Zwingern" (z.B. v.Hatzbachtal, v. Elberfeld usw.) .
Wie auch bei der Medizin, so ist es letztlich die Dosis der Schärfe, die den Hund in seinem Eifer alltagstauglich und sozialerträglich macht. Hier werdet Ihr durch Training etwas "kanalisieren" müssen. Wenn Ihr den Eindruck habt, eine kompetente Beratung in Eurer Hundeschule zu haben, verliert nicht die Geduld und beißt Euch da durch. Das "Umstricken" Eures Mädchens wird mindestens drei Monate intensives Training erfordern, aber dann habt Ihr einen prima Hund, der Euch und euer Eigentum im Fall des Falles auch beherzt schützt.

Das ist vor dem Hintergrund der momentanen kriminellen Entwicklung bzgl. Wohnungseinbrüche (siehe WAZ v. heutigen Tage) ein durchaus bedenkenswerter positiver Faktor.

Ich empfehle Euch (bei Eigentum) einen Warnhinweis im Zugangsbereich. (z.B. Achtung., freilaufender Hund, Warnung vor dem Hunde, pflichtbewußter Hund o.ä.)
Nicht zulässig ist die Formulierung "Vorsicht- bissiger Hund" - das wird juristisch als nötigende Bedrohung gewertet! Auch das im äußeren Eingangsbereich beim Pfoteneimer aufgehängte (alte) Leinen und Kettenmaterial (massive Leinenstärke und Stachelhalsband) tut hier bisher seine entsprechende Wirkung.

Das muß bei uns sein, weil der sanfte Gori das Bellen nicht erfunden hat. Nur wenn jemand sich dem "heilix Blechle" (Auto) nähert, macht er wie Eure Rieke den "Höllenhund" und röhrt aus vollem Hals

Gutes Gelingen - Ihr bekommt das schon hin wie viele "Leidgenossen" vor Euch!
Bernward

PS: Michaels Tipps könnt Ihr sofort mit einem Einkauf im nächsten Spielwarengeschäft umsetzen. Um die Wirkung zu erhöhen: Einen kleinen Spritzer künstliche Zitrone in das Pistolenwasser!
Wenn das in die Nase oder ins Auge geht, stoppt jede Furie sofort.
Das Mitgefühl mit allen Geschöpfen ist es,
was Menschen erst wirklich zum Menschen macht.
Albert Schweitzer (1875-1965),
den ich 1959 im Staatl. Gymnasium Mülheim-Ruhr erlebte..
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Re: Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Pinschi » 19. Februar 2013, 21:58

Hallo, Britt&Bert

ich versuch`s mal.... wobei es schwierig ist aus der Entfernung und ohne gesehen zu haben wie sich die jeweiligen Situationen entwickelt haben; es ist immer sinnvoll für ein Korrekturtraining den gesamten Ablauf gesehen zu haben. Die Maus ist jetzt ein halbes Jahr bei euch und zeigt so langsam
was sie drauf hat...... da k a n n (muß nicht) durchaus noch mehr kommen....was auch immer.

Sprecht mit dem Übungsleiter über diese Dinge; nur keine falsche Scham dabei. Im besten Fall können Situationen sinnvoll provoziert (nachgestellt) werden.
Hoffe auf eine vernünftige Übungsleitung. Aus meiner Sicht würde sich die Gruppenunterordnung z.Zt. nur bedingt eignen --- jedoch, man müßte es sehen !!!

Im Moment, auf euch allein gestellt, würde ich den Abstand zu Hunden und Menschen g e n e r e l l so einhalten, daß die Hündin entspannt und ansprechbar
bleiben kann.... und dann loben, spielen, Party machen was das Zeug hält, aber VOM FEINSTEN !!!! Es gibt Alles, was der Hund gern hat.
Macht es ihr zunächst leicht --- so kann Hund (und Mensch) Erfolgserlebnisse haben.

Irgendwann sehr vorsichtig und mit winzigen "Schritten" die Distanz verringern --- wenn`s noch zu früh ist.. macht nix... wieder nen Schritt zurück.
Wichtig ist SCHEIBCHENweise nicht Stückweise !!!!!

Eigentlich braucht es für solche Dinge eine "lebende Videokamera" = zweite Person, die sieht und somit euch korrigieren kann.

Da ihr jetzt eine gewisse Unsicherheit dem Hund gegenüber ausstrahlt, wäre vielleicht eine andere Gegend ----- freier Blick für euch, Mensch sieht früh
wenn irgendwo etwas auftaucht ---- zum :gassi: sinnvoll ?!?!?! (Keine Ahnung was für/bei euch machbar sein kann).



Situation AUTO : wie wäre s mit einer s t a b i l e n Box für den Hund ?

Ich habe es so verstanden, daß der Hund frei im Auto lag/liegt.

Hund in der Box und ihr seid vom Kopf her sicher, daß er nicht raus kann. Bei jetzigen Temperaturen kann auch der Kofferraum noch geschlossen sein.

Die Übung als solche stellt sich ähnlich dar wie oben beschrieben.... zunächst einmal ---
sucht euch Menschen denen ihr vertraut und umgekehrt auch so..... eine reizarme
Gegend aufsuchen und dann herausfinden = ausprobieren wieviel Abstand vom Hund toleriert wird (ohne Aufstand)..... wenn`s klappt: L O B E N den
Hund. Mit der Zeit auch hier Distanz verringern/oder auch nicht.... je nach Verhalten des Tieres.

Zum "Loben" generell bitte bedenken: je kispeliger ein Hund ist desto ruhiger der Tonfall oder lieber nichts sagen und spielen, kraulen, supertolle
Leckerli usw.; ein ruhiger Hund ist oft mit hoher Stimmlage froh und fröhlich, zuzüglich Spiel usw.
Da muß jeder seinen Hund kennenlernen und auch darauf eingehen können.


Eine feine Übung wäre: "Hund lernt hinter euch zu laufen/gehen" ---- aus Hundesicht habt dann ihr die Kontrolle darüber was vorne abläuft...
Hund ist von der Aufgabe "Kontrolle" entbunden.


Hoffe, ihr fühlt euch nicht überschüttet... wenn doch, dann erst mal alles sich-setzen-lassen, in Ruhe drüber denken und weiter geht`s ...
auf ins Abenteuer "Hund"

;) und :bussi:
Zuletzt geändert von Pinschi am 19. Februar 2013, 22:14, insgesamt 1-mal geändert.
LG Ilona mit Alina


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Re: Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Pinschi » 19. Februar 2013, 22:06

...habe eben Bernward`s Beitrag gelesen..... und Michael`s Tip auch nochmal....


so habt ihr jetzt viel zu denken und umzusetzen......

gute Erfolge von :love:
LG Ilona mit Alina


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Re: Wie Beschützerinstinkt kontrollieren?

Beitragvon Britt & Bert » 20. Februar 2013, 06:55

Prima, vielen vielen Dank für Eure umfangreichen Tipps und Ratschläge und vorallem für's Mut machen! Werden auf jeden Fall versuchen einiges davon umzusetzen und demnächst mal berichten, wie sich Rieke entwickelt.
Liebe Grüsse bis dahin,
Britt
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