Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Angelika Jung » 17. März 2015, 11:29

Ich unterstütze hier in Deutschland einen kleinen spanischen -sehr gewissenhaften- Tierschutzverein.
Ein von uns vermittelter Riesenschnauzermix (12 Monate alt) mußte leider sein Zuhause
verlassen, weil das Frauchen ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht behalten kann.
Er lebt seit gut 1 Woche bei uns (4 Personen + 4 Hunde-Haushalt) und ich suche für ihn sein neues Zuhause.
Ich habe 35 Jahre Hundeerfahrung und wir arbeiten mit ihm am Hunde 1x1 nach dem Motto: Liebevoll konsequent.
Er ist sehr gut mit anderen Hunde sozialisiert.
Er ist fleißig und arbeitet supergerne mit.
Er genießt die Aufmerksamkeit und fühlt sich augenscheinlich hier sehr wohl.
Er ist ein wirklich toller Hund bis auf eine "Kleinigkeit".

Nun zu meiner Frage:

Es gibt ein Verhalten bei ihm, dass ich weder einschätzen kann, noch weiß, wie ich ihm helfen kann, es abzulegen.

Er greift -ohne für mich erkennbaren Anlaß- Menschen an.
Hier als Beispiel:
Er schmust und spielt mit meinem Mann und meinem Sohn.
Eine Zeit später geht einer von ihnen durchs Haus und er geht ihn knurrend, bellend, angreifend an.
Sekunden später ist es vorbei.
In der nächsten Situation geht er freudestrahlend auf sie zu und läßt sich beschmusen.
Meine Tochter und ich können sich frei bewegen.
Das Gleiche macht er in den verschiedensten Situationen - mit unterschiedlichen Menschen - an unterschiedlichen Orten.

Dazu brauche ich einen Rat, ob dieses Verhalten rassespezifisch sein könnte und wie ich ihm helfen kann, dieses Verhalten abzulegen.

So kann ich ihn nicht -ruhigen Gewissens- in eine neue Familie geben.

Ich benötige dringend Ideen oder Denkanstösse.
Angelika Jung
 
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon agi » 17. März 2015, 13:40

Kommt der Riese aus einem Auffanglager und oder hat schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht?
Auf jedem Fall am Ball bzw. am Hund bleiben :daumen: !

Versuche die Futterschiene - er wird ab sofort nur noch von Deinen Männern gefüttert :keks: , auch diverse kleinen Leckerlis geben nur :keks: sie raus.

Hat er eventuell Augenprobleme?
Helga, Akina und Pepper (mit Agi im Herzen)
Man kann in Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann vieles herausstreicheln!
(Astrid Lindgren)
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Angelika Jung » 17. März 2015, 15:50

Er ist in Spanien in einer kleinen privaten -sehr liebevollen- Auffangstation gewesen und im Alter von 4 Monaten nach Deutschland
zu seinem alleinstehenden Frauchen gekommen. Dort war er dann bis kurz nach seinem ersten Geburtstag.

Im letzten Jahr hatte er eine große OP mit längerem Klinikaufenthalt.
Habe auch schon überlegt, ob diese Erfahrung sein Verhalten erklären könnte.

Sein Verhalten ist nicht auf meinen Sohn und meinen Mann beschränkt.
Er macht es auch bei jungen Frauen, mit denen er kurz zuvor noch von sich aus gekuschelt und gespielt hat.
Es ist auch nicht auf "Zuhause" beschränkt. Er macht es auch an anderen Orten.

Augenprobleme hat er m.M.n. nicht.

Die Futtergabe durch meine Männer habe ich auch schon geplant.

Am Ball bleiben werde/muss ich - für ihn.
Angelika Jung
 
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Finn56 » 17. März 2015, 22:25

Kann es sein, dass Euer Riese das eventuell gar nicht ernst meint, sondern dass das für ihn ein unterhaltsames Spiel ist? Habe das schon bei einigen Riesen erlebt - das Ganze wirkt richtig bedrohlich. Mein vorheriger Riese Finn hat das oft so praktiziert, dass es von Ernst nicht zu unterscheiden war, allerdings nie bei Fremden, sondern nur bei vertrauten Personen und er hat niemals verletzt. Er war zeitlebens eine Schmusebacke, eine Seele von Riesenschnauzerrüde.
Kannte einen Fall, da wollte ein Mann seinen Riesenschnauzerrüden abgeben, da dieser bei der neuen Lebenspartnerin immer stark geknurrt hat. Konnte ihn überzeugen, dass es harmlos ist und es hat geklappt. Er hat ihn behalten.Starkes Knurren kam bei meinem Finn auch raus, wenn er sich besonders wohlfühlte.
Kann natürlich sein, dass es bei Eurem Riesen ganz anders gelagert ist. Aber auch mein jetztiger Rüde zeigt sich gelegentlich mit etwas "wildem dominanten Gehabe" meint es aber 100% nicht so. Das hat ihm bei der Vorbesitzerin viel Ärger(innerhalb der Familie) eingebracht, soviel, dass sie ihn abgegeben hat. Er ist aber ein grundehrlicher gutartiger Rüde (auch Schmusebacke), der falsch verstanden und dann wahrscheinlich entsprechend reglementiert wurde. Ich würde dem Ganzen zuerst mal gar nicht viel Beachtung schenken,zumal wenn es nicht richtig ernst wird und Beobachten.
Sollte er es ernst meinen, kann ich mir vorstellen, dass er einfach noch nicht angekommen ist und sich seinen Platz im Rudel noch sucht.
Ich weiss nicht ob Dir meine Beobachtungen weiterhelfen- aber vielleicht kannst Du es auch mal aus diesem Blickwinkel betrachten.....

LG Helma
Finn56
 

Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Schnauzhäuser » 17. März 2015, 23:11

Angelika Jung hat geschrieben:Er schmust und spielt mit meinem Mann und meinem Sohn.
Eine Zeit später geht einer von ihnen durchs Haus und er geht ihn knurrend, bellend, angreifend an.
Sekunden später ist es vorbei.
In der nächsten Situation geht er freudestrahlend auf sie zu und läßt sich beschmusen.


Ein rassespezifisches Verhalten von RS ist das nach meinen Erfahrungen nicht.
Ich kenne genau solche Verhaltensweisen nur von dem Goldie unseres ehem. Schulhausmeisters. Bei diesem Hund hatte sich ein inoperabler Hirntumor gebildet.
Er war bis dahin ein liebenswürdiger, freier Hund gewesen und ging ohne Grund erstmals den jugendlichen Sohn während eines Nickerchens auf dem Sofa mit einer Beißattacke an.
Solche unerklärlichen Attacken wiederholten sich in unterschiedlichen Situationen der Familienmitglieder zu verschiedenen Tageszeiten.
Nach der Vorstellung in der TK wurde der Hund wegen seines nicht mehr einschätzbaren Gefahrenpotentials euthanasiert.
Die Biopsie verifizierte den Verdacht.

Ich weiß nicht, ob es mittlerweile bessere neurologische Diagnosemöglichkeiten auch für Hunde gibt? (EEG - http://de.wikipedia.org/wiki/Elektroenzephalografie)
Ich kenne diese Technik nur aus den Krankengeschichten ehemal. Schüler/innen.
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den ich 1959 im Staatl. Gymnasium Mülheim-Ruhr erlebte..
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Jesse James » 17. März 2015, 23:54

@ Schnauzhäuser - das war auch mein erster Gedanke.

Man sollte diesen Aspekt auf jeden Fall mal abklären lassen. Ansonsten würde ich einen guten Hundetrainer konsultieren, der ins Haus kommt und sich die Situation mal anschaut, denn nur vom beschreiben her, ist das echt schwer zu beurteilen.
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Michael Susan » 18. März 2015, 07:45

Liebe Angelika,

wie bereits bei unserem Telefonat erläutert, wird Dir auf diesem Wege nicht wirklich jemand einen seriösen Rat geben können, dafür sind die ganzen Begleitumstände, persönlichen Verhältnisse, räumlichen Begebenheiten, Verhalten der einzelnen Hunde im Rudel sowie der einzelnen Familienmitglieder, zum Teil ungewisse Vergangenheit des RS aus der Ferne, etc. nicht genau zu beurteilen und viel zu Komplex.

Wir haben in der Nähe Deines Wohnortes einen Hundetrainer mit dem wir im Verein bereits positive Erfahrungen sammeln konnten, bitte nimm mit ihm Kontakt auf und lasse die Lage und das Verhalten beurteilen, darauf aufbauend läßt sich sicherlich ein vielversprechender Lösungsansatz finden :daumen:

Die Kontaktdaten übersende ich Dir per mail, bitte lasse uns weiterhin an der Entwicklung teilhaben, gerne auch persönlich.
(Tier) liebe Grüße sendet,

Michael Team


Der Hund ist der beste Freund des Menschen, aber nicht jeder Mensch ist der beste Freund des Hundes.
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Angelika Jung » 18. März 2015, 10:37

Vielen lieben Dank für Eure Denkanstösse.

Das ich hier nicht die Lösung finde, war mir klar.
Aber Ihr habt mir geholfen, aus meiner „Denke“ herauszukommen.

Eins wissen wir sicher. Anton ist ein grundehrlicher junger Hund.

Ich denke, dass ich –außer ihm noch mehr Sicherheit zu geben und ab sofort kleine Tipps zu beherzigen- erstmal einen Profi schauen lassen werde.
Jetzt habe ich ja einen Ansprechpartner bei dem bereits gute Erfahrungen gemacht wurden und das ist mir wichtig.

Jetzt packen wir es erstmal in Ruhe mit Anton zusammen an und dann schreibe ich Euch, wie es weitergegangen ist.

Liebe Grüße
von
Angelika und Anton
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Suleika » 18. März 2015, 10:51

Sehr gut das muss angeschaut werden! Wir haben solche Verhaltensauffälligkeiten öfter, da "geht" keine Ferndiagnose. :daumen: :daumen:
" Einsamkeit und das Gefühl, unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut" Mutter Teresa ( 1910-1997)
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Re: Bitte um Rat bei für mich unerklärbarem Verhalten

Beitragvon Angelika Jung » 10. August 2015, 13:28

Kleiner Zwischenbericht.

Anton ist jetzt seit 5 Monaten bei uns (Pflegestelle) und mittlerweile 17 Monate alt.

Er ist ein ganz normaler großer Junge.
100 % sozialverträglich mit Hunden und sehr beliebt bei vielen Menschen.
Seine Verhaltensauffälligkeit - über die ich am Anfang sehr verzweifelt war - hat er zu 95 % abgelegt.
Die restlichen 5 % sind gut händelbar, weil er sehr gut hört und alles richtig machen möchte.

Jetzt im Nachhinein denke ich, dass er "nur" über-/unterfordert war.
Er hatte nicht viel gelernt und wußte manchmal nicht, wie er sich richtig verhalten soll.
Dafür ist er bei seinem Ex-Frauchen gestraft worden (auch Schläge von ihr und auch von ihren erwachsenen Söhnen).
Sie war mit einem Junghund überfordert und hatte es mir selbst erzählt.

Liebevolle Konsequenz und ganz viele positive Erlebnisse, auch durch meinen Mann und meinen Sohn haben ihm geholfen.
Außerdem konnte er sich hier von unseren anderen Hunden viel abschauen.
Angelika Jung
 
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