Rassehunde in Not: Teuer erkauft und abgeschoben

Familie Kahlert mit ihrem Pflege-Riesenschnauzer ArtosEin Hund aus dem Tierschutz? Eine gute Tat, denken viele und schauen nach Spanien, nach Osteuropa, die Gedanken drehen sich um Tötungsstationen, um verwahrloste, nicht selten misshandelte Hunde ohne eigenes Zuhause. Vielen armen Kreaturen kann so geholfen werden. Doch sollte man nicht vergessen: Auch in Deutschland geraten immer wieder Hunde in Not. Die Tierheime sind voll mit Hunden, die von ihren ehemaligen Besitzern abgegeben wurden. Oft aus eigener Not heraus, nicht selten aber auch, weil sie ihrer überdrüssig geworden sind. Dabei schützen selbst Rasse und edle Abstammung nicht vor Notlagen. Einst teuer gekauft, wird der treue Vierbeiner irgendwann zum fünften Rad am Wagen.

So erging es auch Riesenschnauzer Artos. Sein Leben begann, wie es sein sollte: Von verantwortungsvollen Züchtern aufgezogen, kam er in seine Familie und Frauchen und er wurden ein Team – sie besuchten die Hundeschule, trainierten sogar in der Rettungshundestaffel. Doch ein Hundeleben ist lang und irgendwann änderten sich die Umstände. In der neuen Familienkonstellation mit Mann und Baby war kein Platz mehr für Artos, nach sieben Jahren verlor der Riese seine Familie. Bei der RiesenSchnauzerNothilfe, einem gemeinnützigen Tierschutzverein für Schnauzer und Schnauzer-Mischlinge, fand Artos ein vorübergehendes Zuhause und lebt seitdem bei Ina Kahlert und ihrem Mann Franz-Josef in Pflege. „ Hunde haben uns durch unser ganzes Leben begleitet, durch dick und dünn. Tiere wie Artos tun uns da einfach leid!“, erklären die beiden langjährigen Schnauzer-Freunde aus Molfsee (Kiel) ihre Motivation, die RiesenSchnauzerNothilfe zu unterstützen.

Artos hielt gleich einige Überraschungen bereit: Denn so gesund, wie von seinen Vorbesitzern beschrieben, war der stattliche Rüde nicht. Durch eine Blasenschwäche verlor Artos ständig Urintropfen und seine auffällig schlechte Kondition stellte sich bald als mittlere Herzklappeninsuffizienz heraus. Beides wird nun medikamentös behandelt. Die Blasenschwäche konnte damit behoben werden und auch sonst geht es Artos wieder richtig gut. Die Medikamente allerdings wird er sein Leben lang nehmen müssen – und diese kosten etwa 70 Euro im Monat... Das Team der RiesenSchnauzerNothilfe und die Kahlerts geben die Hoffnung trotzdem nicht auf, dass auch Artos seine Familie finden wird. Auch Paten, die Artos dauerhaft finanziell unterstützen, werden gesucht. „Er ist so ein liebenswerter Clown!“ schwärmt Ina Kahlert. „Seine inzwischen 8 Jahre merkt man ihm gar nicht an, bei Ballspielen dreht er richtig auf. Und von jedem Spaziergang bringt er mindestens einen Stock mit nach Hause. Wir haben schon einen beachtlichen Berg davon im Garten.“ Ansonsten zeigt sich der kastrierte Rüde als waschechter Riesenschnauzer. Seiner Familie gegenüber anhänglich und anlehnungsbedürftig, ist er wachsam in seinem Revier und Fremden gegenüber freundlich, aber reserviert. Wer sich für Artos oder weitere Not-Schnauzer interessiert, findet im Internet unter www.RiesenSchnauzerNothilfe.de zusätzliche Informationen oder meldet sich direkt bei Mareike Wilms (E-Mail).

(Pressemitteilung vom 19.12.2011)