Futterwahl

Re: Futterwahl

Beitragvon Schnauzhäuser » 3. Januar 2011, 23:43

Christiane Team hat geschrieben:Also Ihr könnt mich ja jetzt schlagen, aber ich finde, wenn ein Hund das Futter, dass er bekommt partout nicht fressen will, würde ich ihm einfach mal vertrauen. Ich würde deswegen aber trotzdem nicht auf Trofu umstellen, ich bin ja ein Freund des "Hundebekochens". ;-) Und zwar durchaus mit einem für Barfer unfassbar hohen Getreideanteil, nämlich ca. der Hälfte der Futtermenge. Ich bin nämlich der Meinung, dass Hunde sich seit Jahrtausenden von den Abfällen der Menschen ernähren, bei denen sie leben und die bestehen bzw. bestanden bis zu der Einführung des industriell hergestellten Futters sicher nicht fast nur aus rohem Fleisch.


Im Prinzip möchte ich Christiane zustimmen.

Hunde haben zwar von der Anatomie her einen kurzen Fleischfresserdarm für die "schnelle Verwertung" hochwertiger Proteine, können aber auch bis zu einem gewissen Grad als "Hobby-Vegetarier" existieren.
Nach dem Krieg, auf einem schwäbischen Bauernhof aufgewachsen, zählte es zu meinen täglichen Aufgaben, den "Saueimer" mit den Kochabfällen, den Essensresten, den Schlachtabfällen und dem abgesiebten Schlick der frischen Kuhmilch an die Hausschweine zu verfüttern. Der Weg dorthin führte dabei am Hofhund "Molli", einem der letzten falben (hellbraunen) Mittelschnauzer vorbei, der dort als Kettenhund sein Bretterdomizil neben der Miste hatte. Molli bekam vom "Dicken" (die festen Bestandteile) in die verbeulte, niemals gespülte Emailleschüssel, für die Schweine wurde der Rest noch einmal mit Wasser gestreckt. Wenn der Hund ersthafte Krankheitszeichen hatte, kam er in den warmen Kuhstall und bekam "Milchbrockele" (altes Weißbrot in lauwarmer Kuhmilch) dazu eine gewaltsamen Einguß von Weintrester ( ca. 50°Vol).So ungefähr stelle ich mir auch Goris ehemalige Heimat auf Lanzarote vor! Trotzdem zeigt Gori keinen "Biafra-Wuchs" sondern stellt einen durchaus kompakten RS dar.

Was ich damit sagen will: Hunde sind auch heute, nach langer Evolution und Domestizierung, noch unglaublich anpassungsfähig in Bezug auf ihre Ernährung geblieben! Insofern möchte ich allen Foris, die sich so ambitioniert über die Ernährungfragen auslassen, als Trost sagen, daß sie eigentlich niemals etwas total falsch machen können. Nur - der Hund muß sein vorgesetztes Futter auch fressen wollen! Etwas anderes suchen, wie in der freien Wildbahn,ist ihm in unserer Haltung nicht mehr möglich.

Wir füttern unsere RS ab Ende der 70er Jahre überwiegend mit Trocken-Fertigfutter, wenig Dosenfutter (sog. industrielle Alleinfuttermittel) zusammen mit täglich kleinen Rationen Rinderhack, Trockenfisch und Trockenpansen um die Variationsbreite der Darmflora zu erhalten. Das sichert auch eine unproblematische Ernährung an anderen Orten.

Von Vorteil ist auch die höhere Wasseraufnahme bei dieser Art der Fütterung. Gori hat sich hierbei spürbar gesteigert. Da seine Nieren grenzwertige Laborergebnisse zeigten, sind wir recht froh darüber.
Unseren ersten RS Alf (13) zogen wir mehrere Jahre( 1973 - ca. 79) ausschließlich mit Blättermagen und frischem, noch milchhaltigem Kuheuter auf, bevor die ersten, noch nicht expandiertenTrockenfutter verfügbar waren.

Waren wir deshalb "Urbarfer"?
Zuletzt geändert von Schnauzhäuser am 4. Januar 2011, 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Futterwahl

Beitragvon Corry71 » 4. Januar 2011, 01:20

@Schnauzhäuser:
Ich bin immer wieder geplättet über so viel Erfahrung und Wissen und
die sachliche und leicht verständliche Weise es auszudrücken!

Ich denke bei der Fütterung ist es ähnlich wie mit dem Impfen, da gibt es so
viele Meinungen und verschiedene Überzeugungen, dass jeder für sich, nachdem
er sich genügend informiert hat, entscheiden muss. Evtl. entscheidet eben
manchmal auch das Tier durch seine Reaktionen und man muss sich von
seiner eigentlich eingeschlagenen Richtung etwas entfernen.

Ich habe eine Freundin, die ihren Hund, wie sich selbst und ihren Mann,
seit Jahren vegetarisch ernährt. Gut, der Hund ist erst 4 Jahre aber
zumindest sind bis jetzt noch keine Mangelerscheinungen erkennbar.
Für mich ist das nicht nachvollziehbar, wie man seine vegetarische
Ernährungsweise gerade auf einen Hund übertragen muss - aber jedem
das seine - und wie gesagt bis jetzt zeigt er sich noch fit und fidel wie eh und je.
Corry71
 

Re: Futterwahl

Beitragvon Schnauzhäuser » 4. Januar 2011, 19:07

Liebe Cordula,

Ich wäre mir da nicht sicher ob das ein Hundeleben lang so bleibt.
Am ehesten würde ich spätere Defizite am Skelett- und Bewegungsapparat befürchten.

Auch tut mir der gute Wuff leid. Welch fleischlich-sensorische Lüste entgehen ihm!

Aber - wie du schon richtig anmerkst: Wer kennt schon das Alleinseligmachende!

Mit lockerem, fleischlosem Schnauzenstoß
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Re: Futterwahl

Beitragvon Schnauzhäuser » 15. Februar 2011, 00:43

In der Monatschrift "der Hund" 3.2011 fand ich zur Ernährung von Hunden nachstehenden bemerkenswerten Beitrag, der mich ob seines Verweises auf das TSchG §2 doch sehr überrascht hat, zumal der Leserbrief von einem Veterinär stammt.
Dateianhänge
veget.Ernährung.jpg
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